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Carl Kellner


Der geistige Vater des Ordo Templi Orientis war der wohlhabende österreichische Chemiker und Papierfabrikant Carl Kellner (Renatus, 1. Sept. 1851 - 7. Juni 1905). Kellner studierte die Freimaurerei, das Rosenkreuzertum sowie die östliche Mystik und unternahm ausgedehnte Reisen durch Europa, Amerika und Vorderasien. Seinen eigenen Aussagen nach war er während seiner Reisen mit drei Adepten (einem Sufi, Soliman ben Aifa, und zwei hinduistischen Tantrikern, Bhima Sena Pratapa aus Lahore und Sri Mahatma Agamya Paramahamsa ) sowie einer Organisation namens Hermetic Brotherhood of Light (Hermetische Bruderschaft des Lichts) in Berührung gekommen.

   1885 begegnete Kellner Dr. Franz Hartmann (1838 - 1912), einem Gelehrten auf dem Gebiet der Theosophie und des Rosenkreuzertums. Er und Hartmann arbeiteten später bei der Entwicklung der "Ligno-Sulphit" Inhalationstherapie bei Tuberkulose zusammen, die in Hartmann's Sanatorium in der Nähe Salzburgs als Basistherapie eingesetzt wurde. Im Verlauf seiner Studien meinte Kellner, einen "Schlüssel" entdeckt zu haben, der die unverhüllte Erklärung der gesamten komplexen Symbolik der Freimaurerei lieferte und der, wie Kellner glaubte, die Mysterien der Natur enthüllte. In Kellner begann sich der sehnliche Wunsch zu regen, eine Academia Masonica zu begründen, die alle Freimaurer in die Lage versetzen würde, sich mit sämtlichen existierenden Graden und Systemen der Freimaurerei vertraut zu machen. 

Academia Masonica

1895 begann Kellner, seine Idee der Begründung einer Academia Masonica mit seinem Kollegen Theodor Reuss (Merlin oder Peregrinus, 28. Juni 1855 - 28 Okt. 1923) zu diskutieren. Im Verlauf dieser Diskussionen entschied Kellner, daß die Academia Masonica den Titel "Orientalischer Templer-Orden" tragen sollte. Der okkulte innere Kreis dieses Ordens (des Karl Kellner eigentlichen O.T.O.) sollte in seinem Aufbau an die höchsten Grade der freimaurerischen Memphis und Misraim Riten angelehnt werden und die esoterischen rosenkreuzerischen Lehren der Hermetic Brotherhood of Light (Hermetischen Bruderschaft des Lichts) sowie Kellner's "Schlüssel" zur freimaurerischen Symbolik vermitteln. Sowohl Männer als auch Frauen sollten zu allen Stufen dieses Ordens Zugang erhalten, wobei jedoch der Besitz der verschiedenen Grade und Hochgrade der Freimaurerei eine Voraussetzung für die Aufnahme in den Inneren Kreis des O.T.O. darstellen sollte. Unglücklicherweise konnten Frauen aufgrund der Regeln der etablierten Großlogen, die der regulären Freimaurerei vorstanden, nicht zu Freimaurern gemacht werden, aufgrund welcher Tatsache sie von vornherein von der Mitgliedschaft im Orientalischen Templer-Orden ausgeschlossen gewesen wären. Dies mag einer der Gründe dafür gewesen sein, weshalb Kellner und seine Weggefährten beschlossen, Patente für viele Riten oder Systeme der Freimaurerei zu erlangen, um auf deren Grundlage das System im Hinblick auf die Aufnahme von Frauen reformieren zu können.

   Die Diskussionen zwischen Reuss und Kellner führten zu dieser Zeit zu keinem nennenswerten Ergebnis, da Reuss überwiegend damit beschäftigt war, zusammen mit seinem Dresdner Kollegen Leopold Engel (1858-1931) den Illuminaten-Orden wiederzubeleben. Kellner stand dem wiederbelebten Illuminaten-Orden wie auch Engel selbst ablehnend gegenüber. Von Reuss wissen wir, daß Kellner nach seiner endgültigen Trennung von Engel im Juni 1902 erneut mit ihm in Verbindung trat, und die beiden beschlossen, mit der Stiftung des Orientalischen Templer-Ordens fortzufahren, wobei sie sich zunächst darum bemühten, die Autorisation zur Bearbeitung verschiedener Riten der Hochgrad-Freimaurerei zu erhalten.
 


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